Sonntag, 15. Januar 2012

George Canning und der griechische Freiheitskampf


George Canning (ca. 1827)
In den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhundert lag die Regierungsgewalt in England fest in den Händen der konservativen Partei. Einer ihrer wichtigsten Köpfe war George Canning, der als Außen- und Premierminister das Unabhängigkeitsstreben des griechischen Volkes maßgeblich zum Erfolg führte.

Dabei hatte Cannings Lebensweg unter schwierigen Umständen begonnen. Er wuchs in relativ ärmlichen Verhältnissen auf und sein Vater starb, als er ein Jahr alt war. Sein Onkel Stanford Canning ermöglichte ihm jedoch eine Ausbildung am Eton und Christ Church College in Oxford.

Sein Onkel war es auch, der Canning mit einigen führenden Persönlichkeiten der liberalen Whigs zusammenbrachte. Canning wurde jedoch ein Anhänger von William Pitt dem Jüngeren, der 1782 die neue Partei der Tories gegründet hatte, und zog 1793 als Abgeordneter ins britische Parlament ein.

Nachdem er verschiedene politische Ämter durchlaufen hatte, wurde er 1807 in der Regierung seines Schwagers, des Duke of Portland, zum ersten Mal Außenminister. Seine Auseinandersetzung mit dem Kriegsminister Lord Castlereagh, von dem er zum Duell herausgefordert (!!!) und am Oberschenkel verwundet wurde, führte schließlich 1809 zu seinem Rücktritt.

Canning blieb jedoch aktiver Politiker, übernahm den Posten des britischen Botschafters in Portugal und wurde 1822 gleichzeitig Führer des Unterhauses und wiederum Außenminister. In diese zweite Amtszeit bis 1827, zuletzt auch als Premierminister, fällt Cannings Engagement für die Unabhängigkeitsbewegungen in Südamerika, Portugal und Griechenland.

Sicher lag hinter der Anerkennung der Freiheitsbestrebungen auch das handelspolitische Interesse nach Erweiterung der britischen Absatzmärkte. Im Falle des griechischen Freiheitskampfes spielten jedoch auch romantische Sympathien für das Volk der Hellenen eine wichtige Rolle, auch wenn die modernen Griechen mit Perikles und Platon nur noch eine sehr entfernte Ähnlichkeit aufwiesen.

Der achtjährige griechische Kampf kam, nachdem er lange in Geheimbünden vorbereitet wurde, 1821 zum Ausbruch. Freiwillige „Philhellenen“ aus verschiedenen Ländern Europas eilten nach Griechenland, einige von ihnen – wie Lord Byron – fanden den Tod. Das furchtbare Blutbad auf der Insel Chios, von Delacroix meisterhaft festgehalten, oder auch die heldenhafte Verteidigung der Festung Messolonghi erregten in Europa große Anteilnahme.

Das Massaker von Chios (Delacroix, 1824)

Die Großmächte verfolgten das Geschehen zunächst unbeteiligt. Es war Canning, der Russland, Frankreich und England schließlich dazu bewegen konnte, ein Bündnis zum Schutz der Griechen zu schließen. Daraufhin veranstalteten sie vor dem Hafen von Navarino eine Flottenparade, die sich – eher unabsichtlich – zu einer mörderischen Seeschlacht entwickeln sollte. Die türkische Flotte wurde dabei vollkommen zerstört.

Nach dem Frieden von Adrianopel (1829) stimmte die Türkei schließlich den Beschlüssen der Londoner Konferenz von 1832 zu, bei der die Schutzmächte die Unabhängigkeit Griechenlands beschlossen und den Sohn des Königs von Bayern als Otto I. zum König von Griechenland einsetzten.

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