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Donnerstag, 8. Juni 2017

Hermann Hesse und der Krieg (Teil 2) - "Dieser scheußliche Krieg ..."

Hermann Hesse 
Nachdem Hesse 1914 vehement den Krieg als seelischen Bewährungsprobe und Mittel einer grundlegenden Erneuerung des deutschen Volkes verteidigt hatte, veröffentlicht Hesse ab 1917 unter dem Pseudonym „Emil Sinclair“ eine Reihe von Artikeln, die kritisch zum Krieg Stellung nehmen. 

Die Kämpfe haben sich mittlerweile noch einmal radikalisiert. Beide Seiten setzen Giftgas und Tanks ein, versuchen mit Offensiven, die Hunderttausende Opfer kosten, dem Krieg eine entscheidende Wendung zu geben. Je länger der Krieg dauert, desto nachhaltiger werden Hesses publizistische Appelle, sich für den Frieden einzusetzen. Der Friede sei aber nicht allein auf Kongressen zu erzielen, schreibt Hesse in der Neuen Zürcher Zeitung, sondern müsse von jedem einzelnen gewonnen werden. 

„Es ist die Erkenntnis des Lebendigen in uns von uns, in jedem von uns, in mir und dir, des geheimen Zaubers, der geheimen Göttlichkeit, die jeder von uns in sich trägt. Es ist die Erkenntnis von der Möglichkeit, von diesem innersten Punkte aus alle Gegensatzpaare zu jeder Stunde aufzuheben, alles Weiß in Schwarz, alles Böse in Gut, alle Nacht in Tag zu verwandeln. Der Inder sagt ›Atman‹, der Chinese sagt ›Tao‹, der Christ sagt ›Gnade‹. Wo jene höchste Erkenntnis da ist (bei Jesus, bei Buddha, bei Plato, bei Laotse), da wird eine Schwelle überschritten, hinter der die Wunder beginnen. Da hört Krieg und Feindschaft auf.«

Hesse setzt sich jetzt auch für Kriegsdienstverweigerer ein, weil er sie für „das allerwertvollste Symptom der Zeit“ hält: „Jetzt ist man schon so weit, daß eine ernsthafte Motion im Gange ist, man solle denen, die aus sittlichen Gründen den Dienst verweigern, Gelegenheit schaffen, ihren Dienst in ziviler Arbeit abzuleisten. Vielleicht wird das nicht durchgehen, heut noch nicht, aber kommen wird es absolut sicher, und vielleicht kommt dann auch eine Zeit, wo auf drei Soldaten zehn Zivildiensttuende kommen werden, wo man ganz natürlich das Kriegshandwerk, soweit es noch existiert, den geborenen Raufbolden und Sauhunden überläßt.“

Längst schreibt Hesse keine Kriegsgedichte mehr. Aus dem Patrioten des August 1914 ist im Sommer 1917 ein scharfer Kritiker des Militarismus geworden: „Dieser scheußliche Krieg, der für Euch Junge ein glänzendes Phänomen ist, ist für uns Vierzigjährige etwas anderes. Uns frißt er nicht ein paar Jugendjahre weg, die man ohnehin auf Abenteuer und dergleichen verwendet hätte; uns stiehlt er die Jahre der Lebenshöhe, und jeder von uns, der den Krieg loben und rühmen hilft, ist ein Verbrecher. Nicht weil es grade uns schlechtgeht – das wäre einerlei –, aber weil gerade wir das Zerstörende, Wertlose, Satanische des Krieges tiefer fühlen müssen.“

Kunst gegen den Krieg: Otto Dix - Abendsonne (1918)

Hesse schreibt ein Gedicht, das seine Antikriegs-Stimmung wiedergibt:

Den alten Wanderstecken
Werf ich ins feuchte Gras,
Es ist doch zum Verrecken,
Die Augen sind mir naß.
Muß wieder mich bequemen,
Muß wieder Abschied nehmen,
Tun, was mir nicht gefällt –
Und ringsum blaue Lüfte,
Bach, Wiese und Geklüfte
Und aller Klang und Glanz der Welt!

Muß wieder mich bescheiden,
Muß wieder Sehnsucht leiden
Und fremde Dinge tun,
Indes im Herzen innen
Die dunklen Schmerzen spinnen
Und goldne Träume halbverschüttet ruhn,
Ich spucke still in ein Gesträuch:
Ihr, denen ich muß dienen, allzumal,
Minister, Exzellenzen, General,
Der Teufel hole euch.

Das baldige Ende des Krieges ist mittlerweile in Sicht, denn Deutschland ist nach den letzten großen Offensiven so geschwächt, dass es im Westen nur noch hinhaltenden Widerstand leisten kann. Am 4. Oktober muss das Deutsche Reich ein von dem amerikanischen Präsidenten Wilson diktiertes Waffenstillstandsangebot akzeptieren.

Knapp 2 Jahre später wird Hesses Pseudonym „Emil Sinclair“ enttarnt und damit auch sein Deckname, unter dem Hesse seit 1917 Antikriegs-Artikel in verschiedenen Zeitungen veröffentlicht hatte. In einer autobiografischen Skizze, dem Kurzgefaßten Lebenslauf, schreibt er: „Ich fand allen Krieg und alle Mordlust der Welt, all ihren Leichtsinn, all ihre rohe Genußsucht, all ihre Feigheit in mir selber wieder, hatte erst die Achtung vor mir selbst, dann die Verachtung meiner selbst zu verlieren, hatte nichts andres zu tun als den Blick ins Chaos zu Ende zu tun,mit der oft aufglühenden, oft erlöschenden Hoffnung, jenseits des Chaos wieder Natur, wieder Unschuld zu finden.“

In der aufgeheizten Debatte um den Versailler Friedensvertrag ist Hesse wieder heftigen Anfeindungen ausgesetzt. Obwohl auch er das Friedensdiktat der Siegermächte ablehnt, weil die junge deutsche Demokratie durch die auferlegten Reparationsleistungen schwer belastet würde, verwirft er jeden Gedanken an Revanchismus.

Demian von "Emil Sinclair"
Doch der „neue Hesse“ findet nur bei einem Teil der deutschen Jugend Anklang. Sein Pazifismus und Internationalismus ist vielen suspekt. Nicht wenige haben den "Demian" als Manifest für Führertum und nationalen Aufbruch missverstanden, als Abrechnung mit der wilhelminischen Vätergeneration. Nun sind sie enttäuscht und schreiben Hesse empörte Briefe: „Inzwischen schreiben mir unentwegt reichsdeutsche Couleurstudenten ihre mannhaften Haßbriefe, voll Mark und edler Entrüstung.“

Einen dieser „Haßbriefe“, das Schreiben eines Medizinstudenten aus Halle, veröffentlicht Hesse in „Vivos voco“ (Ich rufe die Lebenden), eine von Hesse und Richard Woltereck gegründete Monatsschrift, um zu demonstrieren, welchen Schmähungen er inzwischen ausgesetzt ist: „Ihre Kunst ist ein neurasthenisch-wollüstiges Wühlen in Schönheit, ist lockende Sirene über dampfenden deutschen Gräbern, die sich noch nicht geschlossen haben. Wir hassen diese Dichter, und mögen sie zehnmal reife Kunst bieten, die aus Männern Weiber machen wollen, die uns verflachen und internationalisieren und pazifizieren wollen.

Wir sind Deutsche und wollen es ewig bleiben! Wir sind Jünger eines Schiller und Fichte und Kant und Beethoven und Richard Wagner, dessen schmetternde Inbrunst wir in alle Ewigkeit lieben werden. Wir haben ein Recht zu fordern, daß unsre deutschen Dichter (sind sie verwelscht, dann mögen sie uns gestohlen bleiben!) unser schlummerndes Volk aufrütteln, daß sie es wieder führen zu den heiligen Gärten des deutschen Idealismus, des deutschen Glaubens und der deutschen Treue.“

In einer öffentlichen Replik hält Hesse dem Studenten vor, dass die von ihm reklamierte „deutsche“Gesinnung zu den Kriegen von 1870 und 1914 geführt habe. Sie verkörpere jene Art von Autoritätsgläubigkeit, gegen die Goethe gekämpft habe, an der Hölderlin zerbrochen und die von Nietzsche angeprangert worden sei. Er erkenne darin einen Geist, der Angst vor sich selber habe und „diese innere Feigheit hinter lärmendem Säbelrasseln verbirgt.“

In seinem Zorn lässt Hesse sich zu Äußerungen hinreißen, die selbst etwas Eiferndes haben. So belehrt er den Studenten, die von ihm genannten deutschen Geister gehörten eher „zu den dekorativen Größen“. „Ich gebe für zwei Gedichte von Hölderlin den ganzen Schiller und den Fichte dazu, und Kant hat, trotz seiner riesigen Leistung, auf den deutschen Geist einen keineswegs reinen und nur wohltätigen Einfluss gehabt.“

Für Hesse haben diese Briefe allerdings auch etwas Positives: „Ich brauche nur einen dieser Briefe zu lesen, einen dieser zwanghaften, krampfigen, bösen Briefe von Hampelmännern, so sehe ich, wie gesund ich trotz allem bin, wie ich ihnen auf die Nerven gehe, wie ich sie aufrege und in Not bringe, wie viel Verführung zu Gefahr, zu Denken, zu Geist, zu Einsicht, zu Spott, zu Phantasie doch aus meinen Worten spürbar sein muß.“

Zitate aus: Heimo Schwilk: Hermann Hesse. Das Leben eines Glasperlenspielers, München, 2012


Donnerstag, 1. Juni 2017

Hermann Hesse und der Krieg (Teil 1) - "Die Ideen von 1914"

Hermann Hesse
(ungefähr ein Jahr
vor Ausbruch des 1. Weltkrieges)
Hermann Hesse ist wie viele andere Dichter seiner Generation ein Verfechter der sogenannten „Ideen von 1914“, wie sie bei Kriegsausbruch von einer Reihe deutscher Publizisten vertreten werden.

Besonders die Thesen Werner Sombarts, der der „Krämerseele der angelsächsischen „Händler“ den „Opfermut deutscher Helden“ entgegensetzt, leuchten Hesse ein, aber auch Max Schelers Buch „Der Genius des Krieges und der deutsche Krieg“, in dem der Göttinger Phänomenologe den Krieg enthusiastisch begrüßt und das „geistige Deutschland“ aufruft, sich gegenüber englischem „Materialismus“ und „Imperialismus“ zu behaupten, findet seine Zustimmung. Auch der von Hesse geschätzte protestantische Theologe Ernst Troeltsch sieht in der Kriegseuphorie des August 1914 die Geburtsstunde eines „Glaubens an den Geist“, der über die Dekadenz der materialistischen Epoche triumphiere.

Sie alle stellen die „Ideen von 1914“ bewusst gegen die »Ideen von 1789«, also gegen die seit der Französischen Revolution für gültig erachteten Werte wie individuelle Freiheit, rechtliche Gleichheit und Solidarität der Völker.

Zu den »Ideen von 1914« gehört die Vorstellung des Krieges als einer seelischen Bewährungsprobe und einer grundlegenden Erneuerung.

Statt durch Askese sollen die Völker jetzt durch Kampf und Schmerz aus ihrem „satten Frieden“ herausgerissen werden. So schreibt Hesse im Brief an seinen Vater auch von der „moralischen Aufrüttelung“, die die Opfer bewirkten. Hesse steht ganz auf der Linie Thomas Manns, der während des Ersten Weltkriegs geschrieben hatte, im Krieg erfülle Deutschland eine historische Mission, es stehe für den Sieg der „Kultur“ über die „Zivilisation“, für „Gemeinschaft“ statt „Gesellschaft“, für Gefühl, Haltung und Stil gegenüber Vernunft, Skepsis und Auflösung.

Auch Hesse erwartet vom Krieg die große Läuterung, eine innere Umkehr, die der wilhelminischen Saturiertheit und vor allem dem verhassten, eigentlich ganz „undeutschen“ Kapitalismus ein Ende setzen soll. An einen Zürcher Bekannten schreibt er im Dezember 1914: „Die moralischen Werte des Krieges schätze ich im ganzen sehr hoch ein. Aus dem blöden Kapitalistenfrieden herausgerissen zu werden, tat vielen gut, grade auch in Deutschland, und für einen Künstler, scheint mir, wird ein Volk von Männern wertvoller, das dem Tod gegenübergestanden hat und die Unmittelbarkeit und Frische des Lagerlebens kennt … 

Wenn auch nur bei einem Teil der mitkämpfenden Jugend wirklich das Lebensgefühl vertieft wird, der Sinn fürs Unzerstörbare gestärkt wird, die Freude am Läppischen abnimmt, so ist damit mehr gewonnen als mit einigen Städten und Domen verloren gehen kann (...) Das gefällt mir eigentlich an diesem phantastischen Krieg, dass er gar keinen `Sinn´ zu haben scheint, dass es nicht um irgendeine Wurst geht, sondern dass er die Erschütterung ist, von der ein Wechsel der Atmosphäre begleitet wird. Da unsre Atmosphäre einigermaßen faul war, kann der Wechsel immerhin Gutes bringen. Ob es teuer und etwas allzu teuer erkauft sei, dürfen nicht wir entscheiden. Die Natur verschwendet immer, ihr ist das einzelne Leben nichts wert.“

Kriegsbegeisterung 1914

Hesse ist sich auch nicht zu schade, ein Huldigungsgedicht mit dem Titel „An den Kaiser“ zu verfassen, in dem er Kaiser Wilhelms bekannten Satz bei Kriegsausbruch, er kenne keine Parteien mehr, sondern nur noch Deutsche, lyrisch besingt:

Rings stehen deine tapfern Heere
Ums deutsche Reich auf treuer Wacht
Und tragen unsre deutsche Ehre
Auf blankem Schild von Schlacht zu Schlacht.

Und alle Schranken sind gefallen,
Es gilt nicht Name noch Partei,
Daß ein erneutes Reich uns allen
Als edles Gut gemeinsam sei.

Auf solchen Boden laßt uns bauen
Die Burg der Zukunft hoch und zier,
Ihr fester Grund sei das Vertrauen
Von dir zu uns, von uns zu dir.

Dann wird der deutsche Geist aufs neue
Durch die verklärte Heimat wehn
Und wieder in bescheidner Treue
An stille Friedenswerke gehen.

Und aus der Schlachten wildem Wüten
Sei jeder willig und bereit
Die Frucht zu retten und zu hüten:
Des deutschen Volkes Einigkeit!

Dennoch wird im November 1914 in deutschen Zeitungen eine Pressekampagne gegen Hesse losgetreten. Anlass ist sein Artikel „O Freunde, nicht diese Töne“, der am 3. November in der Neuen Zürcher Zeitung erscheint und Hermann Hesse in Deutschland gleichsam über Nacht zur Persona non grata macht.

Hesse zieht darin einen scharfen Trennstrich zwischen der patriotischen Parteinahme für Deutschland und seiner Liebe zur europäischen Kultur, also auch zu der der Kriegsgegner, der er nicht abzuschwören bereit ist. Wer am Schreibtisch „blutige Schlachtgesänge“ verfasse oder Artikel publiziere, in denen der Hass zwischen den Völkern genährt und die kulturellen Leistungen des Gegners heruntergemacht würden, verrate den Geist, schreibt Hesse und zielt damit auf Journalisten und Literaten beider Seiten. Europa gewinne nichts, wenn Deutsche und Franzosen sich weigerten, die Bücher des jeweils anderen zu lesen, es dürfe nicht so weit kommen, dass Mut dazu gehöre, ein gutes englisches Buch besser zu finden als ein schlechtes deutsches.

Deutsche Kriegspropaganda

Das Echo auf diesen gewagten und mutigen Aufruf ist gewaltig. Hesse wird in zwei Dutzend Blättern als Vaterlandsverräter diffamiert. Alte Freunde sagen sich von ihm los, aus Deutschland wird er mit Hassbriefen überschüttet, deutschnationale Buchhändler boykottieren ihn, der Verkauf seiner Bücher stürzt dramatisch ab.

Dafür gewinnt Hesse in dem französischen Schriftsteller Romain Rolland, der 1915 den Literaturnobelpreis erhält, einen Freund, der seine versöhnliche Haltung überschwänglich lobt. Dem Konstanzer Komponisten Alfred Schlenker gegenüber räumt Hesse seine verfahrene Situation ein, die ihn zwischen Patriotismus und Internationalismus schwanken lässt: 

„Dem Kriege gegenüber bin ich in einer fast peinlichen Lage. Ich fühle ganz für Deutschland und begreife den dort jetzt herrschenden, alles andere überwältigenden Geist von Nationalismus durchaus, kann ihn aber nicht so völlig teilen, wie es für ein vollkommenes Mitleben sein müßte. Ich ... bin durch Herkunft wie durch Gewohnheit so stark international eingestellt, daß ich jetzt in den Augen eines reinen Patrioten gar nicht ganz einwandfrei wäre. Mein Vater war Deutschrusse, Balte, meine Großmutter aus Neuchâtel, mir selber ist von Kind auf die Schweiz die zweite Heimat, freilich nur die deutsche. Dazu kommt mein Bedürfnis am Reisen und am Mitleben mit fremden Literaturen.“

Hermann Hesses Haltung zum Krieg bleibt zwiespältig. Seine Kriegsgedichte werden noch immer in Anthologien aufgenommen, er gehört also keineswegs der Antikriegsbewegung an wie Leonhard Frank, Hugo Ball oder Stefan Zweig, die als Exilanten von der Schweiz aus tätig sind. In einem Vorwort zur Broschüre „Zum Sieg“, die den Soldaten an der Front den geistigen Überbau für ihren Dienst an der Waffe liefern soll, bekräftigt Hesse noch einmal, dass es in diesem Krieg um nichts weniger als die „Weltherrschaft“ gehe, die Deutschland zufallen müsse. Der Soldat habe eine schwere, aber eindeutige Aufgabe: Er habe zu gehorchen und zu siegen.

Doch auch diese nationalistischen Auslassungen machen Hesse nicht unangreifbar, denn im Oktober 1915 ergießt sich erneut eine Flut von Beschimpfungen über Hesse. Weil er in einigen kurzen Bemerkungen in einem Artikel die Vorrangigkeit des Friedens vor dem Krieg behauptet hat und seine Erleichterung darüber ausdrückte, nicht einberufen worden zu sein, schmäht man ihn als „vaterlandslosen Gesellen“, „grinsenden Drückeberger“ und „schlauen Feigling“.

Trotz dieser bösen Erfahrungen mit den Patrioten seiner Heimat legt sich Hesse auch mit den Pazifisten an, die glauben, der in Deutschland Verfemte müsse notwendigerweise nun ihre Partei ergreifen. Hesse weist im November 1915 das Angebot, in pazifistischen Blättern und Organisationen mitzuarbeiten, zurück und provoziert mit der Aussage, der Krieg gehöre zum Leben und könne nicht einfach per Dekret abgeschafft werden. Die Pazifisten seien von der Verwirklichung des Friedens genauso weit entfernt wie ein Wissenschaftlerkongress von der Entdeckung des Steins der Weisen. Damit hat Hesse sich zwischen alle Stühle gesetzt, eine Position, die ganz gut zu seinem Außenseitertum passt.


Zitate aus: Heimo Schwilk: Hermann Hesse. Das Leben eines Glasperlenspielers, München, 2012