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Donnerstag, 19. Mai 2016

Jürgen Osterhammel und der Nationalstaat

Das 19. Jahrhundert gilt den Historikern, insbesondere den deutschen und französischen, als das Zeitalter des Nationalismus und der Nationalstaaten. In seinem monumentalen Werk über die „Verwandlung der Welt. Eine Geschichte des 19.Jahrhunderts“ wirft Jürgen Osterhammel einen kritischen Blick auf diese so lange unwidersprochene These.

Am Anfang seiner Darstellung steht die begriffliche Klärung: „Nationalismus“ definiert Osterhammel als „Wir-Gefühl“, „das sich auf ein großes, sich als politischen Akteur und als Sprach- und Schicksalsgemeinschaft begreifendes Kollektiv richtet.“

Seit dem Ende des 18. Jahrhundert hatte sich in Europaeine Haltung entwickelt, die auf relativ einfachen und allgemeinen Ideen beruht: „Die Welt zerfällt in Nationen als ihre `natürlichen´ Grundeinheiten; Imperien zum Beispiel sind demgegenüber künstliche Zwangsgebilde.“ Entscheidend dabei ist, dass die Nation – und nicht etwa die lokale Heimat oder gar eine Religionsgemeinschaft – der primäre Bezugspunkt individueller Loyalität sei und damit auch zum maßgebenden Rahmen für Solidaritätsbildung werde.

Eine Nation müsse daher „klare Kriterien der Zugehörigkeit zum Großkollektiv formulieren“, was übrigens auch zur Konsequenz führt, „Minderheiten als solche kategorisieren – eine Vorstufe zu einer möglichen, aber nicht zwingenden Diskriminierung.“

Schließlich strebt eine „politische Autonomie auf einem definierten Territorium.“ Sie benötigt zur Gewährleistung einer solchen Autonomie logischerweise einen eigenen Staat. Aus der Nation wird der Nationalstaat.

Dennoch ist der Zusammenhang zwischen Nation und Staat damit noch lange nicht leicht zu fassen. Hagen Schulze vertritt beispielsweise die These, dass in Europa zuerst der `moderne Staat´ entsteht und sich erst in einer zweiten Phase `Staatsnationen´ und dann `Volksnationen´herausbilden oder sich selbst als solche definieren. Erst in der Zeit nach der Französischen Revolution, so Schulze, habe „ein gesellschaftlich breit fundierter Nationalismus – Schulze sagt `Massennationalismus´ – das Formgehäuse des Staates annektiert.“

Schulze spricht sogar einer deutlich erkennbaren Periodisierung der Idee des Nationalstaates, beginnenden mit dem `revolutionären´ Nationalstaat (1815–1871), über den `imperialen´ (1871–1914) und schließlich den `totalen´ Nationalstaat (1914–1945). So erscheint der Nationalstaat als „das Kompositprodukt oder die aufhebende Synthese von Staat und Nation: nicht einer virtuellen, sondern einer mobilisierten Nation.“

Europa, Heimat der nationalen Identitäten
(Satirische Landkarte aus dem 19. Jahrhundert)

Wolfgang Reinhard dagegen kommt zu einem anderen Ergebnis als Schulze. Für ihn war die Nation „die abhängige, die Staatsgewalt aber die unabhängige Variable der historischen Entwicklung.“

Demnach sei der Nationalstaat, den auch Reinhard erst im 19. Jahrhundert erkennen kann, nicht „das nahezu unvermeidliche Resultat einer massenhaften Bewusstseinsbildung und Identitätsformierung `von unten´, sondern das Produkt eines konzentrierenden Machtwillens `von oben´.“

So sei der Nationalstaat gerade nicht die staatliche Hülle einer gegebenen Nation, sondern vielmehr ein „Projekt von Staatsapparaten und machthabenden Eliten“, oder auch von „revolutionären oder antikolonialen Gegeneliten.“

Immer aber knüpfe der Nationalstaat an ein bereits vorhandenes Nationalgefühl an, instrumentalisiere es dann aber für eine Politik der Nationbildung. Das Ziel der nationalstaatlichen, bzw. nationalistischen Politik besteht in der Folge darin, mehreres zugleich zu schaffen: „einen aus eigenen Kräften lebensfähigen Wirtschaftsraum, einen handlungsfähigen Akteur der internationalen Politik und manchmal auch eine homogene Kultur mit eigenen Symbolen und Werten.“

So gibt es Reinhard zufolge nicht nur Nationen auf der Suche nach einem eigenen Nationalstaat, sondern umgekehrt auch „Nationalstaaten auf der Suche nach der perfekten Nation, mit der sie sich im Idealfall zur Deckung bringen könnten.“ 

Es sei also wenig erstaunlich, dass die meisten Staaten, die sich heute als Nationalstaaten bezeichnen, in Wahrheit multinationale Staaten sind, „mit erheblichen Anteilen sich zumindest im vorpolitisch-gesellschaftlichen Raum organisierender Minderheiten.“

Diese Minderheiten unterscheiden sich vor allem dadurch voneinander, ob ihre politischen Führer die Existenz des Gesamtstaates separatistisch in Frage stellen wie beispielsweise die Katalanen in Spanien oder ob sie sich mit einer Teilautonomie zufrieden geben wie etwa die Schotten. „Solche Minderheiten waren die `Völkerschaften´ und (in einem vormodernen Wortsinne) `Nationen´ der großen Imperien. Die Polyethnizität aller Imperien hat sich in die Nationalstaaten hinübergerettet, gerade auch in die jungen des 19. Jahrhunderts, auch wenn diese das stets hinter homogenisierenden Diskursen zu verbergen versuchen.“

Imperium = ein Beziehungsgeflecht zwischen einem Zentrum und einer Peripherie,
die in Form von staatenübergreifenden Sozialstrukturen verbunden sind
 

Für Osterhammel schließlich ist das 19. Jahrhundert weniger ein Zeitalter der Nationalstaaten als vielmehr der Imperien. Selbst nach dem Ende des Ersten Weltkrieg, „der drei Imperien – das osmanische, das hohenzollernsche und den habsburgischen Vielvölkerstaat – zerstörte“, dauerte die imperiale Epoche an. Nicht nur bestanden die westeuropäischen Kolonialreiche fort, sondern auch der neuen Sowjetmacht gelang es innerhalb weniger Jahre, den kaukasischen und innerasiatischen Gürtel des spätzarischen Russischen Reiches wiederherzustellen. Schließlich bauten „Japan, Italien und – sehr kurzlebig – das nationalsozialistische Deutschland bauten neue Imperien auf, welche die älteren Reiche imitierten und karikierten.“

So kommt Osterhammel zum Schluss, dass das 19. Jahrhundert zwar kein `Zeitalter der Nationalstaaten´ war, dass es gleichwohl die Epoche des Nationalismus war, „in der diese neue Denkweise und politische Mythologie entstand, als Doktrin und Programm formuliert und als massenbewegendes Sentiment mobilisierend wirksam wurde.“

Häufig enthielt der Nationalismus eine starke anti-imperiale Komponente. In Deutschland war es gerade die Erfahrung französischer `Fremdherrschaft´, die den Nationalismus radikalisierte. „Im Zarenreich, in der Habsburger Monarchie, im Osmanischen Reich, in Irland: überall regten sich Widerstände im Namen neuer nationaler Vorstellungen.“ 

Deutscher Nationalismus und die Sehnsucht nach einem Nationalstaat: 
Der Zug zum Hambacher Schloss
Gleichwohl waren diese Widerstände nicht immer unweigerlich mit dem Ziel nationalstaatlicher Unabhängigkeit verknüpft. Manchmal ging es schlicht um den Schutz vor Übergriffen oder Diskriminierung oder um stärkere Repräsentation der eigenen Interessen innerhalb des imperialen Verbandes, meist mit dem Ziel, Spielräume für die eigene Sprache und Kultur zu gewinnen.

Erst im 20. Jahrhundert, „als neue, mit dem Westen vertraute Bildungseliten sich mit dem Modell des Nationalstaates angefreundet und die mobilisierende Kraft einer national-emanzipatorischen Rhetorik erkannt hatten ... war der eigene Nationalstaat, wie vage auch immer imaginiert, als Entfaltungs- und Gestaltungsrahmen politischer Führungsgruppen, die sich keiner höheren Autorität mehr unterordnen wollten, ein immer attraktiveres Ziel.

So war das 19. Jahrhundert weniger das „Zeitalter der Nationalstaaten“, sondern mehr eine „Zeit der Bildung von Nationalstaaten.“ Dabei ist es gerade nicht immer leicht anzugeben, wann ein Zustand der Nationalstaatlichkeit tatsächlich erreicht war, „wann die `äußere´ und die `innere´ Nationalstaatsbildung hinreichend ausgereift waren.“

Gerade der `innere´ Aspekt der nationalstaatlichen Bildung ist viel schwieriger zu erfassen, weil er Entscheidungen darüber verlangt, „wann ein bestimmtes territorial organisiertes Gemeinwesen innerhalb meist evolutionär verlaufender Wandlungen einen Grad der strukturellen Integration und homogenisierenden Bewusstseinsbildung erreicht hat, der es von seinem früheren Zustand (als Fürstenstaat, Imperium, alteuropäische Stadtrepublik, Kolonie usw.) qualitativ deutlich verschieden macht.“

Viel einfacher dagegen ist zu entscheiden, „wann ein Gemeinwesen international handlungsfähig wird, also die äußere Form eines Nationalstaates annimmt.“ 

Die Europa beherrschenden Nationalstaatbildungen der Epoche jedenfalls, so Osterhammel, „folgten nicht dem polykephalen, sondern einem hegemonialen Modell, bei dem eine regionale Vormacht die Initiative ergreift, militärische Mittel einsetzt und dem neu entstandenen Staat ihren Stempel aufdrückt“, wie man am Beispiel Preußens als der „unifizierende Hegemon“ für den deutschen Nationalstaat hervorragend sehen kann.


Zitate aus: Jürgen Osterhammel: Die Verwandlung der Welt, Eine Geschichte des 19. Jahrhunderts, München 2010 (C.H. Beck)   -   Weitere Literatur: Wolfgang Reinhard: Geschichte der Staatsgewalt: Eine vergleichende Verfassungsgeschichte Europas von den Anfängen bis zur Gegenwart, München 2003 (C.H.Beck)



Donnerstag, 18. Juli 2013

Hannah Arendt und die Eroberung des Staates durch die Nation

Der völkische Nationalismus beruht, wie Hannah Arendt in ihrem Werk „Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft“ (1951) überzeugend dargestellt hat, auf der schlichten Behauptung, dass „das eigene Volk einzigartig und seine Existenz mit der gleichberechtigten Existenz anderer Völker unvereinbar sei.“

Diese Behauptung verbindet sich mit der Idee, „dass das eigene Volk von `einer Welt von Feinden umgeben´, in einer Situation des `einer gegen alle´ sich befindet, und dass es infolgedessen nur einen Unterschied in der Welt gibt, der zählt, den Unterschied zwischen einem selbst und allen anderen“ (482).

In diesem Kontext vertraten vor allem die Ideologen der Panbewegungen im 18. Jahrhundert die These vom göttlichen Ursprung der Völker. Demnach ist die „nationale Zugehörigkeit eine von Gott selbst geschaffene ewige Eigenschaft des Menschen.“ Wird eine solche Nationalität noch dazu als eine Auserwähltheit gedeutet, „so wird das gesamte Volk aus dem Verdikt nachprüfbarer Geschichte erlöst, da nun nichts, was ihm im Rahmen seiner geschichtlichen Realität widerfahren ist – Eroberung, Wanderungen, Zerstreuungen –, etwas an seiner geschichtlichen `Sendung´ ändern kann“ (496)

Ausgehend von dieser pseudotheologischen Prämisse tritt im völkischen Denken an die Stelle „der individualistisch verstandenen Menschenwürde“ nun die Vorstellung, „dass alle, die in dasselbe Volk geboren sind, auf eine naturhafte Weise miteinander verbunden sind und, ähnlich wie die Mitglieder der gleichen Familie, aufeinander sich verlassen können.“ Arendt gibt sogar zu, dass die mit solchen Vorstellungen verbundene Wärme und Sicherheit in der Tat sehr geeignet war, „die berechtigten Ängste moderner Menschen in dem Dschungel einer atomisierten Gesellschaft zu beschwichtigen, gerade weil diese Bewegung „durch Uniformierung und massenhafte Zusammenfassung von Menschen eine Art Ersatz für gesellschaftliche Heimat und Sicherheitsgefühl zu geben vermag“ (499).

Arendt lässt keinen Zweifel daran, dass die Frage, „ob Gott den Menschen oder die Völker schuf“, in der Tat für jede politische Philosophie von grundsätzlicher Bedeutung ist. Gleichwohl ist für sie klar, dass alle Völker „offenkundig das Resultat menschlicher Organisation“ sind (497).

Der Ruf nach "Deutschlands Wiedergeburt": Das Hambacher Fest (1832:)

So entstehen Arendt zufolge Nationen überall da, „wo Völker begannen, sich als geschichtliche und kulturelle Einheiten zu verstehen, die auf einem bestimmten, ihnen zugewiesenen Siedlungsgebiet beheimatet und verwurzelt sind, weil auf ihm die Geschichte ihre für alle sichtbaren Spuren hinterlassen hatte, so dass die Erde selbst, so wie sie in Feld und Acker und Landschaft von menschlicher Bestellung erzeugt wurde, auf die gemeinsame Arbeit der Vorfahren und das gemeinsame, an diesen Boden gebundene Schicksal der Nachfahren verwies“ (487).

Entscheidend ist für Arendt, dass der Nationalstaat seit den Tagen der Französischen Revolution den Anspruch vertrat, „das Volk im Ganzen zu repräsentieren“, so dass auf diese Weise zwei Faktoren, „nämlich nationale Zugehörigkeit und Staatsapparat, miteinander verschmolzen und im nationalen Denken miteinander identifiziert wurden.“ So bestand die höchste Funktion des Staates darin, den gesetzlichen Schutz „aller Einwohner des Territoriums ist, ohne Rücksicht auf deren nationale Zugehörigkeit“ (487f)

Für Arendt besteht die Tragödie des Nationalstaates darin, „dass das Nationalbewusstsein der Völker gerade mit dieser höchsten Funktion des Staates in Konflikt geriet, insofern als es im Namen des Volkswillens verlangte, dass nur diejenigen als vollgültige Bürger in den Staatsverband aufgenommen werden sollten, die durch Abstammung und Geburt dem als wesentlich homogen angenommenen Körper der Nation zugehörten.“

Dadurch wurde der Staat “aus einem gesetzgebundenen und Gesetzlichkeit schützenden Apparat zu einem Instrument der Nation. Die Nation setzte sich an die Stelle des Gesetzes“ (488).

Moderner völkischer Nationalismus in Katalonien

Auf dem Spiel steht nicht mehr und nicht weniger das politische Verständnis von Gleichheit der Menschen: Für Arendt sind „Menschen ungleich, was ihren menschlich-natürlichen Ursprung angeht, so wie die Völker sich wesentlich voneinander durch verschiedene Organisationen und geschichtliche Schicksale unterscheiden. Ihre Gleichheit ist nur eine Gleichberechtigung, und diese kann sich nur dort verwirklichen, wo Menschen sich so miteinander verständigen und einrichten, dass sie sich solche Gleichberechtigung garantieren“ (497).

Genau diese Gleichberechtigung bzw. ihre rechtliche Garantie durch die staatlichen Institutionen geht in der `Eroberung des Staates durch die Nation´ unwiderruflich verloren, weil „das einzig verbliebene Band zwischen den Bürgern eines Nationalstaates … nun das Nationale, die gemeinsame Abstammung“ war:

„In einem Jahrhundert, in dem jede Schicht der Bevölkerung von ihren partikularen Klassen- und Gruppeninteressen beherrscht war und Politik sich in der tat in dem Widerstreit solcher Interessen erschöpfte, erschien daher das gemeinsam nationale Interessen nirgends garantiert zu sein außer in der gemeinsamen Abstammung, dem der Nationalismus als eine bestimmte, allen Klassen und Gruppierungen gemeinsame Gesinnung entsprach“ (489).

Als die Nation schließlich den Staat erobert hatte, wurde offensichtlich, dass nationale Interessen allen Erwägungen juridischer Art überzuordnen waren, dass mit anderen Worten `Recht ist, was dem eigenen Volke nützt´. „Die Sprache des Mobs drückte hier wie auch sonst nur das in brutaler Offenheit aus, wovon die öffentliche Meinung ohnehin überzeugt war und dem die öffentliche Politik, wenn auch mit Zurückhaltung, ohnehin Rechnung trug“ (575)

Das Ergebnis dieses historischen Prozesses ist bekannt: „Sobald das immer prekäre Gleichgewicht zwischen Nation und Staat, zwischen Volkswillen und Gesetz, zwischen nationalem Interesse und legalen Institutionen verlorenging zugunsten einer immer chauvinistischer werdenden Nation und von Interessen, die oft nicht einmal mehr im wahren Interesse der Nation lagen, erfolgte die innere Zersetzung des Nationalstaates mit großer Geschwindigkeit, wobei man sich klar sein muss, dass Geschwindigkeit historisch nach Jahrzehnten und nicht nach Jahren oder Monaten zu berechnen ist. Und diese Zersetzung begann in genau dem historischen Augenblick, als zum ersten Mal das Recht zur nationalen Selbstbestimmung in ganz Europa anerkannt worden war. Dies hieß eben auch, dass der Vorrang des nationalen Volkswillens von allen legalen Institutionen und `abstrakten´ Maßstäben in ganz Europa akzeptiert worden war“ (575).

Selbstinszenierung des Völkischen Nationalismus: Lichtdom auf dem Reichsparteitag der NSdAP, "Parteitag der Ehre" (eröffnet am 8.9.1936 in Nürnberg)

Nachtrag vom 13.09.2013:
Für die Europäische Komission ist Katalonien nicht nur die korrupteste Region Spaniens, sondern nimmt unter den 172 Regionen Europas den 130. Rang ein. Wen wundert es?
  
Zitate aus: Hannah Arendt: Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft, München 2009 (piper), v.a. S. 482ff

Donnerstag, 11. Juli 2013

Rudyard Kipling die imperialistische Legende Englands

Joseph Rudyard Kipling (1865-1936)
Als Rudyard Kipling 1907 den Nobelpreis für Literatur erhielt, war er nicht nur der erste britische Schriftsteller, sondern auch der bis dahin jüngste Autor, dem diese Ehrung zuteil wurde. Kipling erwarb seinen Ruhm vor allem als hervorragender Erzähler und Verfasser von Kurzgeschichten. Seine Kinderbücher – u.a. Das Dschungelbuch – gehören zu den Klassikern des Genres.

Obwohl er zu den populärsten englischen Schriftstellern zählte, nahmen seine Popularität und auch sein literarischer Erfolg nach dem Ersten Weltkrieg stark ab. Das hatte einen einfachen Grund, wie Jorge Luis Borges im Vorwort zum Sammelband „Das Haus der Wünsche“ schreibt: „Kipling wurde als der kritische Barde des Britischen Weltreichs katalogisiert. Das hat an sich nichts Unehrenhaftes, aber es genügte, um seinen Namen zu schmälern, vor allem in England. Seine Landsleute haben ihm niemals ganz seine ständigen Bezugnahmen auf das Imperium verziehen.“

In diesem Kontext geht auch Hannah Arendt in ihrem Werk „Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft“ (1951) auf Kipling ein, den sie als „Schöpfer der imperialistischen Legende“ bezeichnet.

Legendäre Darstellungen der Geschichte haben Arendt zufolge schon immer den Zweck, „an Tatsachen und Ereignissen nachträglich Korrekturen vorzunehmen, welche die Geschehenskette, in deren Verantwortlichkeit der Mensch unabhängig von bewusster Tat oder voraussehbarer Konsequenz eingespannt ist, menschlich erträglicher machten“.

Das Wasser (Vor Anker liegende englische Schiffe)

Denn die Wahrheit dieser alten Legenden liegt in dieser „von Menschen gestiftete Helle, in der allein die Völker es ertragen können, vergangenes Geschehen als ihre Vergangenheit anzuerkennen, in der sie Herren wurden über das, was sie nicht getan hatten, oder fertig wurden mit dem, was sie nicht ungeschehen machen konnten.“

Legenden gehören nicht nur zu den frühesten Erinnerungen des Menschengeschlechts, sondern sind geradezu der Beginn der menschlichen Geschichte. Eine besondere Blüte erlebte die Legende im Rahmen der national gebundenen Gründungslegenden im 19. Jahrhundert. Für Arendt ist Kipling der Schöpfer der imperialistischen Legende Englands, „ihr Thema ist das englische Weltreich; und ihr Resultat ist der imperialistische Charakter.“

Im Falle des imperialistischen Charakters Englands zeichnet sich dieser durch ein Verantwortungsbewusstsein aus, „das aus der Überzeugung entsprang, dass man mit prinzipiell unterlegenen Völkern zu tun hatte, die man einerseits zu schützen in gewissem Sinne die Pflicht hatte, für die aber andererseits niemals die gleichen Gesetze gelten können wie für das Volk, das man selbst in dieser Herrschaft vertrat.“ – eine Beobachtung, die eine erstaunliche Nähe aufweisen zu den Anmerkungen von Karl Marx über die britische Herrschaft in Indien.

Der Wind (Englisches Kriegsschiff Great Harry)

Die Gründungslegende des englischen Weltreiches, wie Kipling sie in der Erzählung „The First Sailor“ präsentiert, beginnt mit den natürlichen Grundbedingungen des britischen Volkes. „Umgeben vom Meer, bedürfen sie des Beistandes der drei Elemente: des Wassers, des Windes und der Sonne; und sie verbünden sich mit diesen Elementen durch die Erfindung des Schiffes. Das Schiff trägt das gefährliche Bündnis mit den Elementen und macht die Engländer zu den Herren der Welt.“

„You’ll win the world without anyone caring how you did it: you’ll keep the world without anyone knowing how you did it: and you’ll carry the world on your backs without anyone seeing how you did it. But neither you nor your sons will get anything out of that little job except Four Gifts—one for the Sea, one for the Wind, one for the Sun, and one for the Ship that carries you …

For, winning the world, and keeping the world, and carrying the world on their backs—on land, or on sea, or in the air—your sons will always have the Four Gifts. Long-headed and slow-spoken and heavy—damned heavy—in the hand, will they be; and always and always a little bit to windward of every enemy—that they may be a safeguard to all who pass on the seas on their lawful occasions.” (Kipling, The First Sailor)

Die Sonne (Zwei Kriegsschiffe und kleinere Küstenfahrzeuge vor Anker auf der Themse bei Greenwich)

Die Erzählung – aufgrund ihrer Verspieltheit in eigentümlicher Nähe zu antiken Gründungslegenden – stellt den Engländer als das einzige politisch erwachsene Volk dar, „dem darum die Sorge um das Wohlergehen der Welt zur Last gelegt werden kann, während die übrigen Völker offenbar so schwach sind, dass sie eines Beschützers bedürfen, oder so barbarisch, dass sie die großen Kommunikationswege der Erde nur stören und gefährden können. Politisch jedenfalls sind sie alle so unerfahren, dass sie weder wissen, was die Welt zusammenhält, noch sich darum scheren.“

Das Problem dieser mythischen Verklärung war, das ihm wohl der Schein einer echten Legende eigen war und dennoch der Trug allzu offensichtlich wurde, denn „die Welt wusste und sah genau, „wie sie es machten“, und die schönste Sage hätte ihr nicht weismachen können, dass die Engländer aus diesem `little job´ nichts für sich selbst herausholten.“
  
Zitate aus: : Hannah Arendt: Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft, München 2009 (piper), v.a. S. 443ff  -  Rudyard Kipling: The First Sailor, in: A Book of Words. For my friends known and unknown. Selections from speeches and addresses.  Delivered between 1906 and 1927 (1928)

Weitere Literatur: Rudyard Kipling: Das Haus der Wünsche. Eine Sammlung phantastischer Literatur. Erzählungen. Vorwort von Jorge L. Borges, in: Die Bibliothek von Babel, Bd.13, Frankfurt 2007 (Edition Büchergilde)


Donnerstag, 20. Dezember 2012

Der Katalanische Nationalismus und die Sprache


Am 6. Dezember 2012 gab der argentinische Fußballstar des FC Barcelona, Lionel Messi, bei einer Pressekonferenz das folgende Statement ab: „Das Letzte, was ich gehört habe, war, dass sie (gemeint ist die spanische Regierung) das Katalanische verbannen will. Das Einzige, was ich dazu sagen kann ist, dass ich – seit ich hier ankam – mit dem Katalanischen aufwuchs, es lernte, und niemals Probleme hatte“.

Der FC Barcelona: Toller Fussball und emsige Propagandamaschiene im Dienste des Nationalismus 

Diese Worte Messis stehen in krassem Gegensatz zu seinen Äußerungen in einem Interview, das er vor einiger Zeit für die Zeitschrift der argentinischen Fluggesellschaft gab. Dort gab Messi unumwunden zu, dass seine Schwester ein "Opfer der katalanischen Sprachpolitik“ wurde: „Als mein Schwesterchen in die Schule kam, sprach man Katalanisch. Sie weinte und es gefiel ihr nicht. Daraufhin beschloss meine Mutter nach Rosario (Argentinien) zurückzukehren mit ihr und ihren Brüdern.“

Das Überraschende bei alldem ist vor allem die Tatsache, dass sich ein argentinischer Fußballspieler im Dienste des FC Barcelona überhaupt berufen fühlt, zu Fragen der Linguistik Stellung zu nehmen.

Die Diskussion um die Regelung der Mehrsprachigkeit in Spanien ist seit Jahren Teil der politischen Auseinandersetzungen und ideologischen Kämpfe sowohl zwischen der Zentralregierung und den autonomen Regionen mit eigener Sprache einerseits, als auch zwischen den verschiedenen Parteien und Institutionen des Staates andererseits.

Im Absatz 1 der spanischen Verfassung von 1978 wurde unmissverständlich das Spanische (genauer: das Kastilische) zur Amtssprache des spanischen Staats erklärt: "Jeder Spanier ist verpflichtet, sie zu kennen und hat das Recht sie zu gebrauchen." Gemäß Absatz 2 sind die Regionalsprachen ebenfalls Amtssprachen in den jeweiligen Autonomen Regionen. In Absatz 3 wird den sprachlichen Verschiedenheiten Spaniens ein besonderer Wert und Schutz zugesprochen.

Es mag jedoch verwundern, dass es heute keinesfalls  darum geht, die Regionalsprachen gegenüber der offiziellen Amtssprache zu schützen und zu bewahrten. Vielmehr ist es umgekehrt! Vor allem in Katalonien hat die Sprachpolitik der verschiedenen nationalistischen Autonomieregierungen zu einer klaren Diskrimminierung der spanischen Sprache geführt, mit dem Ziel, sie aus dem öffentlichen (Sprach-)Raum zu verdrängen.

So haben die katalanischen Nationalisten und Separatisten mittlerweile u.a. erreicht,

  • dass Spanisch nicht mehr in den öffentlich-rechtlichen Medien der Region verwendet wird,
  • dass die Verkehrsschilder in Katalonien ausschließlich auf Katalanisch beschrieben werden,
  • dass Katalanisch unabdingbare Voraussetzung für jede Einstellung in die staatlichen Institutionen (!) in Katalonien ist,
  • dass Unternehmer Straf- und Bußgelder bezahlen müssen, wenn sie die Beschriftung ihrer Geschäfte auf Spanisch verfassen und
  • dass in den öffentlichen Schulen in Katalonien das Spanische keine gleichberechtigte Unterrichtssprache mehr ist. 

Die beiden letztgenannten Aspekte nationalistischer Sprachpolitik verdienen eine genauere Darstellung.

Bereits im Jahre 2005 wurden von der Katalanischen Regionalregierung die sogenannten „Oficinas de Garantías Lingüísticas“ ins Leben gerufen, deren Aufgabe bis heute darin besteht, die Bürger zu ermutigen, Anzeigen gegen die Geschäfte zu erstatten, die entweder ihre Schilder auf Spanisch verfassen oder deren Personal nicht in der Lage ist, die Kundschaft auf Katalanisch zu bedienen.

Wir können auch ... anders: Initiative zur Abschaffung der "Sprach-Bußgelder"

Art. 333.1 des „Código de Consumo de Cataluña” regelt das linguistische Erscheinungsbild eines Geschäftes bzw. Unternehmens. Danach kann jeder Inhaber mit bis zu 10.000 € Bußgeld belegt werden, der z.B. sein Firmenschild oder sonstige Hinweise wie „Schlussverkauf“, aber auch die Arbeitsverträge nicht in Katalanisch verfasst hat. Im Wiederholungsfall oder bei Zahlungsverweigerung kann das Bußgeld bis zu einer Höhe von 1.000.000 € erhöht werden.
   
Allein im Jahr 2007 wurden auf der Grundlage von insgesamt 733 Anzeigen Straf- und Bußgelder in Höhe von 2,9 Mio. € in Katalonien verhängt. Besonders bekannt wurde der Fall des Xurde Rocamundi, dem Inhabers eines Immobilienbüros, der 2010 zu einer Geldstrafe von 1.200 € verurteilt wurde, weil sein Firmenschild auf Spanisch verfasst war. Er wurde, wie es im offiziellen Schreiben hieß, von einem "Bürger angezeigt, der anonym bleiben möchte." 

Xurde Rocamundi hat mittlerweile am eigenen Leib erfahren, was mit denen geschieht, die versuchen gegen den nationalistischen Strom schwimmen. So hingen "Revolutionäre Brigaden" gegenüber seinem Geschäft in Arenys in der Nacht zum 6. Januar folgendes Transparent auf.

Hetze auf Katalanisch: "Xurde! Um ein guter Bürger zu sein musst du lernen Katalanisch zu sprechen!"

Die Nacht zum 6. Januar, dem Tag der Hl. Drei Könige (in Spanien Tag der Bescherung) wird in Arenys auch "Nacht der Steckrüben und Kohlköpfe" (Nit de Naps i Cols) genannt, weil - in eindeutig diskrimminierender Absicht - an den Wohnungen der Junggesellen Kohlköpfe befestigt werden, während an die Türen der Frauen, die noch keinen festen Partner haben, Steckrüben gehängt werden. Mittlerweile haben nationalistische Gruppen diese Tradition für ihre Zwecke instrumentalisiert und organisieren Schmutz- und Hetzkampagnen gegen Menschen wie Xurde. Zwar klirrten (noch) keine Scheiben, aber diese Art von Aktionen weckt - insbesondere bei deutschen Gemütern - ziemlich üble Erinnerungen wach ... .

Es mag helfen, an dieser Stelle sich der Gedanken Ludwig von Mises zu erinnern, demzufolge es die alleinige Aufgabe des Staates ist, das Leben und Gesundheit, das Privateigentum und die Freiheit gegen gewaltsame Angriffe von außen zu schützen: „Alles, was darüber hinausgeht, ist von Übel. Eine Regierung, die, statt ihre Aufgabe zu erfüllen, darauf ausgehen wollte, selbst das Leben und die Gesundheit, die Freiheit und das Eigentum anzutasten, wäre natürlich ganz schlecht.“

Für von Mises wird der Staat in dem Moment zu einem Zwangs- und Unterdrückungsapparat, zu einem „Friedhof des Geistes“, sobald der Grundsatz der Nichteinmischung des Staatsapparates in allen Fragen der Lebenshaltung des Einzelnen aufgeben wird, indem er beispielsweise versucht, das Leben der Bürger bis ins Kleinste zu regeln und zu beschränken: „Die persönliche Freiheit des einzelnen wird aufgehoben, er wird zum Sklaven des Gemeinwesens, zum Knecht der Mehrheit.“

Der Traum des katalanischen Nationalismus


Für von Mises ist die Neigung, obrigkeitliche Verbote zu fordern, sobald den Menschen etwas nicht gefällt, und die Bereitwilligkeit, sich solchen Verboten zu unterwerfen, ein Zeichen für ihre Unmündigkeit, denn sie „zeigt, daß der Knechtsinn ihnen noch tief in den Knochen steckt. Es wird langer Jahre der Selbsterziehung bedürfen, bis aus dem Untertan der Bürger geworden sein wird.“

Denn: „Ein freier Mensch muss es ertragen können, dass seine Mitmenschen anders handeln und anders leben, als er es für richtig hält, und muss es sich abgewöhnen, sobald ihm etwas nicht gefällt, nach der Polizei zu rufen.“ – im Fall Katalonien nach den „Oficinas de Garantías Lingüísticas“.

Von besonderer Bedeutung für die Sprachpolitik ist natürlich das öffentliche Schulwesen. Auch hier kann man zweifelsfrei beobachten, dass die nationalistische Politik der „Inmersión lingüística“ (wörtlich: Eintauchen, hier gemeint als: Vertiefung, Intensivierung) dazu geführt hat, dass das Spanische als Unterrichtssprache vielfach schlicht  aus dem Unterrichtsalltag der Schulen verdrängt wurde.

Verschiedene Gerichte haben die Sprachpolitik der katalanischen Separatisten mehrfach verurteiltBereits 1994 hatte das spanische Verfassungsgericht sich mit der Klage eines katalanischen Rechtsanwaltes beschäftigt, der für seine Kinder Schulunterricht auf Spanisch in Katalonien einforderte. Der Klage wurde stattgegeben.

Von besonderer Tragweite ist das Urteil des Obersten Gerichtshofes aus dem Jahre 2008. Dieses Urteil verpflichtet die Autonomieregierung Kataloniens dazu, das Spanische an den Schulen als gleichberechtigte Unterrichtssprache einzurichten, sobald Eltern dies für ihre Kinder einfordern.

Mittlerweile liegen 5 Urteile des Obersten Gerichtshofes und ein Urteil des Verfassungsgerichts gegen die Sprachregelung an öffentlichen Schulen in Katalonien vor, die alle in einem wesentlichen Punkt übereinstimmen: Katalonien muss den Eltern die Möglichkeit zu spanischsprachigen Schulunterricht garantieren, sofern sie es für ihre Kinder wünschen.

Bis auf den heutigen Tag haben sich die Nationalisten in Katalonien geweigert, auch nur eines der gefällten Urteile umzusetzen. Ganz im Gegenteil: Im Rahmen der Parlamentsdebatte über das neue Schulreformpaket haben die Nationalisten bereits angekündigt, dass sie sich nicht an die geltenden Gesetze halten werden.

In dieser Parlamentsdebatte erwähnte der katalanische Politischer Durán i Lleida bezeichnenderweise, dass – trotz Verbote an vielen Schulen in Katalonien - viele Schüler in Katalonien „bedauerlicherweise“ Spanisch sprechen, wenn sie auf dem Schulhof zusammenstünden. Daraufhin meinte der ehemalige sozialistische Bürgermeister von La Coruña in Galizien, Francisco Vázquez, er sehe “keinerlei Unterschied zwischen einem Juden mit einem gelben Stern, der von den Nazis verfolgt werde, und einem Kind in Katalonien, das dafür bestraft wird, weil es auf dem Schulhof Spanisch gesprochen habe.

Das Katalanische ist wie die Mehrheit der Nationalsprachen, die heute so dauerhaft und festverwurzelt in den Kulturen der europäischen Völker erscheinen, in ihren Grundzügen im Laufe des 19. Jahrhunderts "entstanden". So haben emsige Intellektuelle beispielsweise auch das Neugriechische oder das Baskische sowie viele weitere Regionalsprachen „aus den vagen Regionen der volkstümlichen Umgangssprachen geschöpft und in die strenge Form grammatikalisch standardisierter Schriftsprache gegossen, ja teilweise überhaupt erst erfunden. Und was die Philologen nicht schufen, das stifteten die Dichter …“ (Hagen Schulze, 176)

Hintergrund der Sprachpolitik in Katalonien ist selbstverständlich ein für die Nationalisten typisches Verständnis von „Kultur“, dass seinerzeit Ernest Renan mit den folgenden Worten beschrieben hat:

"Wenn man zu viel Wert auf die Sprache legt, schließt man sich in einer bestimmten, für national gehaltenen Kultur ein; man begrenzt sich, man schließt sich ein. Man verlässt die freie Luft, die man in der Weite der Menschheit atmet, um sich in die Konventikel seiner Mitbürger zurückzuziehen. Nichts ist schlimmer für den Geist, nichts schlimmer für die Zivilisation. Geben wir das Grundprinzip nicht auf, dass der Mensch ein vernünftiges und moralisches Wesen ist, ehe er sich in dieser oder jener Sprache einpfercht.“

Ein anschauliches Beispiel für die "interkulturelle Kompetenz" katalanischer Nationalisten


Und weiter Renan: "Ehe es die französische, deutsche, italienische Kultur gibt, gibt es die menschliche Kultur. Die großen Menschen der Renaissance waren weder Franzosen noch Italiener noch Deutsche. Durch ihren Umgang mit der Antike hatten sie das wahre Geheimnis des menschlichen Geistes wiedergefunden, und ihm gaben sie sich mit Leib und Seele hin. Wie gut sie daran taten!"


Auch Adam Smith hatte als Ziel der Erziehung das kritische und selbstständige Denken definiert: „Denn je gebildeter die Bürger sind, desto weniger sind sie Täuschungen, Schwärmerei und Aberglauben ausgesetzt, die in rückständigen Ländern häufig zu den schrecklichsten Wirren führen. Außerdem ist ein aufgeklärtes und kluges Volk stets zurückhaltender, ordentlicher und zuverlässiger als ein unwissendes und ungebildetes ... Er ist dann auch eher geneigt, die Ziele hinter dem Geschrei nach Zwietracht und Aufruhr kritisch zu prüfen und fähiger, sie zu durchschauen“.

Die Sprachpolitik in Katalonien jedenfalls ist nicht geeignet, die Menschen zu gebildeten und kritischen Bürgern zu machen … 

P.S. Auch Fußballer sollten lieber das tun, was sie wirklich können und wofür man sie bewundert: „Das Einzige, was mich beim Fußball wirklich zutiefst beeindruckt, das ist diese Fähigkeit der jungen Spieler, hinzufallen und wieder aufzustehen. Das finde ich begeisternd. Ich finde das ein Manifest der Antigravitation. Wenn man älter und schwerer wird, dann weiß man ja, wie es sonst zugeht. Ich falle gelegentlich vom Fahrrad, und die Mühe, wieder auf die Beine zu kommen, ist eine grauenvolle Beleidigung. Deshalb habe ich großen Respekt vor diesem raschen Aufstehen bei hingefallenen Spielern. Das sind Momente, wo ich innerlich total beteiligt bin. Das Hinfallen gehört zur Sache, aber erst das Wiederaufstehen macht sie großartig“ (Peter Sloterdijk)

Mit seinen Äußerungen zur angeblichen Verfolgung des Katalanischen hat sich Messi jedenfalls klar ins Abseits gestellt.

Nachtrag vom 29.01.2013:
Eine fundierte und zugleich schonungslose Auseinandersetzung mit dem katalanischen Nationalismus  und der ihm eigenen Mystifizierung seiner Geschichte findet sich jüngst in der Reihe "Preguntas a la Historia" des spanischen Radiosenders "esRadio" unter dem Titel "¿Existen hechos históricos que justifican la independencia catalana?" (dt. "Gibt es historische Tatsachen, die eine Unabhängigkeit Katalonien rechtfertigen würden?").

Nachtrag vom 10.04.2013:
Heute wurde bekannt, dass das Oberste Verfassungsgericht Kataloniens  in mehreren Urteilen festgelegt hat, dass die Autonomieregierung verpflichtet ist, den zweisprachigen Unterricht (also nicht nur den Unterricht auf Katalanisch) in den Schullklassen zu garantieren, in denen Eltern oder die Schüler selbst dies eingefordert haben. Obwohl das Urteil feststellt, dass diese Maßnahme sofort umgesetzt werden muss, hat die katalanische Erziehungsministerin  sofort deutlich gemacht, dass die katalanischen Behörden nicht daran denken, sich an den Urteilsspruch zu halten und nichts tun werden, wozu sie das Gericht verpflichtet! - Ein weiteres anschauliches Beispiel für das Rechtstaatsverständnis der Nationalisten!

Nachtrag vom 13.09.2013:
Für die Europäische Komission ist Katalonien nicht nur die korrupteste Region Spaniens, sondern nimmt unter den 172 Regionen Europas den 130. Rang ein. 

Zitate aus: Ludwig von Mises: Liberalismus. Jena 1927 (online unter: http://docs.mises.de/Mises/Mises_Liberalismus.pdf) -  Ernest Renan: Was ist eine Nation?, Rede am 11. März 1882 an der Sorbonne. Reihe EVA Reden, Bd. 20, Hamburg 1996 (Europäische Verlagsanstalt)  -  Adam Smith: Der Wohlstand der Nationen. Eine Untersuchung seiner Natur und seiner Ursachen, München 2009 (dtv)  -  Hagen Schulze: Staat und Nation in der europäischen Geschichte, München 2004 (C.H. Beck)